Die Dominikanische Laiengemeinschaft vom Heiligen Grab in Bamberg: Name und Anspruch zugleich

„Ach, ihr seid der Dritte Orden am Heilig Grab Kloster“ … nicht selten begegnet der dominikanischen Laiengemeinschaft vom Heiligen Grab dieser Ausspruch. Aber was ist nun richtig? Sind wir die Dominkanischen Laien am Heilig Grab Kloster oder doch „vom Heiligen Grab“?

Ja, die dominikanischen Laien vom Heiligen Grab in Bamberg sind dem Heilig Grab Kloster verbunden. Ja, sie haben dort ihre Beheimatung. Ja, ihre Berufung ist untrennbar verbunden mit der eucharistischen Verehrung, dem Ursprung von Kirche und Kloster,

Heilig Grab ist ein Gnadenort der hl. Eucharistie und war über viele Jahre ein Wallfahrtsort zu Ehren des sakramentalen Leibes Christi. Wallfahrten von den umliegenden Ortschaften – Memmelsdorf, Hallstadt, Güßbach, Hollfeld – sind von früher Zeit bezeugt.
Die Geschichte von Heilig Grab beginnt mit einem Hostienraub in der ehemaligen
St. Martinskirche, die auf dem jetzigen Maxplatz stand. Ein fahrender Schüler namens Simon, etwa 15-jährig, der wie andere Burschen seines Alters unterwegs war, um einen Beruf, ein Handwerk zu erlernen, hat am Vorabend von St. Kiliani, also am 7. Juli 1314, mit seinesgleichen gekartet oder geknobelt und alles Geld verspielt. Er sieht, wie ein Priester mit dem Allerheiligsten zu einem Kranken geführt wird. Da kommt ihm der Gedanke, das kostbare Hostiengefäß zu stehlen um es zu Geld zu machen. Also steigt er nächtens in die

Kirche ein und entwendet das silberne Ziborium mit den konsekrierten Hostien. Damit begibt er sich stadtauswärts und schüttet die geweihten Hostien auf dem Felde des zu St. Gangolf gehörenden Chorherrenstifts aus. Mit dem gestohlenen Gefäß flieht der Handwerksbursche Richtung Forchheim. Die verunehrten Hostien aber werden von den Mägden des Kustos des Chorherrenstiftes am Morgen des 8. Juli 1314 entdeckt, die durch einen Lichtschein und die Erscheinung eines schönen Kindleins an den Ort des Frevels geführt werden. Herbei geeilt ist das Kind verschwunden. Die Mägde sehen nur noch summende Bienen über den ausgeschütteten Hostien, auf Sendel gebettet, wie es heißt. Nach vergeblichen Versuchen mehrerer Priester gelingt erst dem damaligen Bamberger Bischof Wulfing von Stubenberg, der unter großer Beteiligung von Volk und Klerus in einer barfüßig von ihm angeführten Prozession zu dem Fundort gezogen ist, die feierliche Erhebung der Hostien.

Bischof Wulfing war Dominikaner und leitete das Bistum Bamberg von 1304-1318. Er war ein großer Förderer der eucharistischen Verehrung. Das von ihm um 1310 gegründete Dominikanerkloster St. Christoph war von Anfang an ein Mittelpunkt der Eucharistieverehrung in Bamberg. (Vgl. Kirchenführer. Franz Machilek: Bamberg Dominikanerinnenkloster zum Heiligen Grab, Kunstverlag Peda – Passau, 2006. S.5).

Die Festlegung der Lehre von der Wesensverwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi (Transsubstantiation) auf dem IV. Laternakonziel 1215 und die Feier des auf Visionen der heiligmäßigen Juliana von Lüttich (1193-1258) zurück gehenden und von Papst Urban IV. (1261-1264) im Jahre 1215 eingesetzten Fronleichnamsfestes bilden die Grundlage für die seit Beginn des 13. Jahrhunderts anwachsenden Eucharistiefrömmigkeit. Auch in Bamberg ist die Feier des Fronleichnamsfestes seit Ausgang des 13. Jahrhunderts in liturgischen Quellen belegt.

Unter Bischof Lupold III. von Bebenburg (1353-1363) stiften der Bamberger Bürger Franz Münzmeister und seine Ehefrau Kunigunde nach der Rückkehr von einer Pilgerreise ins Heilige Land bei der Corpus-Christi-Kapelle ein Dominikanerinnenkloster. Der Stiftungsbrief trägt das Datum „Montag vor Valentini“ (12. Februar). Nach dem Willen des Stifters erhielt es den Namen „St. Catherin zu dem Heiligen Grab“. Das Patrozinium der hl. Katharina von Alexandrien trat im Laufe der Zeit gegenüber dem Heilig-Grab-Titel zurück. Die Kirchweihe wird alljährlich am Laetaresonntag gefeiert, dem Stationstag der römischen Kirche Santa Croce in Gerusalemme, „….weillen Gott alhir hat ruhen wollen als wie in seinen Heiligen Grab….“.

Auch in den schweren Zeiten wurde die Feierliche Erhebung der Hostien am 8. Juli als Hochfest begangen. Pfarrer Johannes Grandinger schreibt in seiner Chronik über Heilig Grab: Am 8. Juli, als der Tag, an welchem die geraubten Hostien aus dem Kornfelde erhoben worden sind, entfaltete die Kirche zum hl. Grabe ihre schönste Pracht. Da war sogar der Fürstbischof in früherer Zeit Teilnehmer an der veranstalteten Prozession, welche sich um den Klosterkomplex bewegte: Gemeiner Weg (=hl. Grabstraße) – Alter Graben (=Spiegelgraben) – Memmelsdorfer Fußweg (=Klosterstraße) –zurück zur Kirche. Diese Prozession war feierlich wie die heutige Fronleichnamsprozession, ja, ich würde meinen, noch aufwendiger unter großer Anteilnahme des Volkes.

Die Dominikanerinnen lebten und leben bis heute nach der Augustinusregel und entsprechend der (auf die Klöster von Prouilhe bei Toulouse und San Sisto in Rom zurück gehenden) Schwesternkonstitutionen aus dem Jahre 1259 in strenger Klausur.
Die heilige Eucharistie ist Mitte, Höhepunkt und Quelle ihres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens.

Explizit an diesem Anspruch macht sich die Berufung der Dominikanischen Laien vom Heiligen Grab in Bamberg fest: Die heilige Eucharistie ist Mitte, Höhepunkt und Quelle unseres Lebens. Aus der heiligen Eucharistie schöpfen wir Kraft und Zuversicht. Aus dieser Kraft gestalten wir unseren täglichen Auftrag als Laien in der Welt und leben wir unser Apostolat im Dritten Orden des heiligen Dominikus.

Daher der Name: Dominikanische Laien vom Heiligen Grab in Bamberg.
Kunigunde Maria Rosaria Schellhorn

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