Sr. Maria Columba Schonath

Sr. Maria Columba Schonath OP – eine kontemplative Dominikanerin

Sr. M. Berthilla Heil

 

 

Das Leben von Schwester Maria Columba Schonath ist äußerlich gesehen ganz einfach. Wir könnten es einteilen in die Zeit vor ihrem Klostereintritt in Burgellern und Umgebung und die Zeit im Kloster Zum Heiligen Grab hier in Bamberg. Und danach kommt noch die Zeit nach ihrem Tode, wie ihr heiligmäßiges Leben bis heute weiterhin ausstrahlt und zur Verehrung und zum Seligsprechungsverfahren führt.

 

Wer war/Wer ist Schwester Maria Columba?

Sie war ein hoch begnadeter Mensch; ihr Lebensvollzug als solcher mit den außergewöhnlichen Gnadengaben ist nicht nachahmbar für uns. Das Große an ihr – und das können wir von ihr lernen – ist, dass sie ihr ganzes Leben auf Gott hin ausrichtete und von Kindheit an mit der Gnade Gottes mitwirkte.

Ich möchte jetzt in großen Schritten anhand von Schlüsselerlebnissen ihre geistliche Entwicklung beleuchten und hoffentlich uns selbst ermutigen, der Gnade Gottes zu trauen und in unserem Leben uns dankbar von Gott führen zu lassen, wie Sr. Maria Columba es getan hat.

 

  1. Ein Lebensabriss – Ihre Lebensgeschichte
  2. Vorbereitung auf ihre Sendung
  3. Ein frommes Elternhaus

 

Maria Columba wurde geboren am 11. Dezember 1730 auf der Poppenmühle im kleinen fränkischen Dorf Burgellern (etwa 15 km entfernt von Bamberg) als ältestes Kind des Müllers Johann Georg Schonath und seiner Ehefrau Katharina, geb. Popp. Noch am gleichen Tag empfing sie die hl. Taufe in der Pfarrkirche St. Kilian in Scheßlitz und erhielt den Namen Maria Anna. Schon bald – im zweiten Lebensjahr – wurde sie der Obhut ihrer Großmutter väterlicherseits auf dem Einödhof in Doschendorf anvertraut.

Dieser Bauernhof (unweit des Elternhauses) lag einsam in Gottes freier Natur. Hier lernte die kleine Müllerstochter die Stille und Einsamkeit schätzen, ja lieben, hier wurde der Grund gelegt für eine tiefe Liebe zu Gott, dem Schöpfer, der – wie sie schreibt – alles so wunderbar gemacht hat. Die Atmosphäre in dieser stillen, einsamen Gegend entsprach so ganz der sensiblen Seele dieses Kindes. Hier konnte sie atmen, hier konnte sie sich entfalten in wachsender Liebe zu Gott. Wir dürfen annehmen, dass ihre Großmutter eine fromme Frau war, die die kleine Enkelin betend führte.

 

  1. Volksschule und Erstkommunion: Liebe zum eucharistischen Heiland

 

Mit acht Jahren kam Maria Anna zurück ins Elternhaus. Von hier aus besuchte sie die Volksschule in Scheßlitz. Auch war es Zeit für die Vorbereitung auf die erste hl. Kommunion, die ein tiefgreifendes, prägendes Erlebnis werden sollte.

Am Vorabend des Erstkommuniontages hatte die Mutter sie noch bis zu später Stunde auf den Empfang des Heilands vorbereitet. Maria Anna konnte vor lauter Erwartung kaum schlafen, und am nächsten Morgen traf sie als Erste auf dem Kirchplatz von St. Kilian in Scheßlitz ein. Nach und nach kamen auch die anderen Erstkommunionkinder, eins schöner gekleidet als das andere. Maria Anna schaute auf ihr schlichtes Kleid und dachte bei sich: ‚Ich werde mich ganz hinten anstellen müssen‘. Da vernahm sie eine Stimme, die zu ihr sprach:

 

Du schämst dich deines Leibes. Ich schäme mich nicht deiner Seele. Lass das Äußere gehen! Ich schaue nicht auf das Äußere, sondern dein Herz sollst du mir bereiten, da will ich mit die vereint sein.

 

Als Maria Anna sich umschaute, um zu sehen, wer zu ihr spreche, sah sie niemand. Nun richtete sie ihre ganze Sehnsucht auf die Vereinigung mit Jesus. Statt den letzten Platz einnehmen zu müssen, stellte der Pfarrer sie an den ersten Platz in der Prozession. Sie empfing den Heiland mit solcher Innigkeit, dass sie später darüber aussagte:

 

Da wurde mein Herz wie ein Feuer entzündet,

         und ich konnte mich den ganzen Tag nicht vor Freuden fassen.

 

Ihre Liebe zum eucharistischen Heiland war entzündet und grundgelegt und wuchs stetig. ER, der eucharistische Heiland, war die Quelle ihres Lebens, ihrer Kraft, ihrer Freude, ihrer Liebe.

 

  1. Berufung zum Leiden: Leiden als ihr Lebensauftrag:

 

Zwei Jahre später am Himmelfahrtstage 1742 (4. Mai) – Maria Anna war elf Jahre alt – da starb ihre gute, fromme Mutter. Sie hatte ihre Kinder einzeln gesegnet und sie ermahnt, allzeit Gott vor Augen zu haben und ihm zu gefallen zu suchen. Maria Anna trauerte und flehte zu Gott, auch sterben zu dürfen.

Als sie eines Tages die Schafe hütete, bat sie Jesus, er möge sie als eins seiner Schäflein zu sich nehmen. In ihrem Gebet schlief sie ein. [Maria Anna spricht nicht von Ekstasen oder Verzückungen; sie drückt ihre Erfahrungen so aus, wie sie es erlebt: Da bin ich schwach geworden, da bin ich eingeschlafen und da habe ich geträumt oder gesehen oder gehört…]

Hier beim Schafe-Hüten schlief sie ein und sah, wie eine helle Wolke sich auftat und auf einem Lichtstrahl Jesus als Hirtenknabe auf sie zukam, und er sagte zu ihr:

 

Willst du eins meiner Schäflein sein,

dann musst du mir noch weiden helfen

auf dem Weg des Kreuzes und des Leidens.

 

Jesus erscheint ihr als der gute Hirt, der sie einlädt, mit ihm für das Heil der Menschen zu wirken, ihm „weiden zu helfen auf dem Weg des Kreuzes und des Leidens“; d.h. mit ihm zu leiden, um Seelen zu retten. Das ist ihr Lebensauftrag. Maria Anna nimmt diesen Auftrag sehr ernst. Gerne leidet sie, um aus Liebe mit Jesus und für Jesus Seelen zu retten.

Alles Gott zulieb! Das war ihr Lebensmotto, ihre gute Meinung, die – wie sie sagte – ihr jede Arbeit und Mühe leicht machte. Als Kind und junger Mensch nahm sie die Alltagsbeschwerden willig und gerne auf sich; sie half im Haushalt, auf dem Feld und bei den Tieren. Oft wählte sie das Schwere, das, was Mühe und Schmerz kostete, um ganz bewusst Jesus ihre Liebe zu bekunden, der ja so viel für sie und für alle Menschen gelitten hat. Diese Liebesverbundenheit mit Jesus war Quelle ihrer Lebenskraft und Lebensfreude.

 

Gerne zog sie sich in die Einsamkeit zurück, um zu beten. Ihre Arbeit opferte betend auf. Sie machte alles zu einem Gebet. So betete sie z. B. beim Gras-Schneiden, dass jedes Gräslein Gott loben möge. Oder sie lud sich eine fast zu schwere Last auf, weil Jesus das schwere Kreuz für uns Menschen auf sich genommen hat.

 

  1. Erwählung Jesu als einzigen Bräutigam

 

Schon bald nach dem Tod ihrer Mutter – im 12./13. Lebensjahr – erwählte sie Jesus als ihren einzigen Bräutigam. Sie erzählt, wie sie eines Tages in ihrer Dorfkirche zu Burgellern der hl. Messe beigewohnt und die hl. Kommunion empfangen hat und still betete, bis alle Leute die Kirche verlassen hatten. Dann begab sie sich zu den Stufen des Altars vor den Tabernakel. Inbrünstig betete sie zu Jesus und erwählte ihn zu ihrem einzigen Bräutigam. Sie schreibt:

 

… nach meiner Mutter Tod im zwölften Jahr meines Alters …

Da ich in der Kirche an einem einsamen Ort kníete und mein Herz ausgoss, kam mich eine solche Begierde an, mich Gott zu schenken und (ihn) zu meinem Bräutigam zu erwählen; … Wie alle aus der Kirche waren und ich ganz allein da war, stund ich auf und verfügte mich zum Altar, wo das Heiligste Sakrament aufbewahrt ist, fiel da zu Boden, fing an vor Freud und Liebe zu weinen und sagte: ‚O Jesu, der du darinnen wahrhaftig bist zugegen, ich ergebe mich dir mit Leib und Seel.“

 

Sie schenkte sich ihm vorbehaltlos, und Jesus erschien ihr als Jüngling und reichte ihr die Hand. So wächst sie immer tiefer hinein in die Liebesbeziehung zu Jesus. ER wird der Mittelpunkt ihres Lebens.

 

 

  1. Berufung zum Ordensleben

 

  1. Sehnsucht nach Ganzhingabe in Verborgenheit

Mit 16 Jahren las sie in der Nachfolge Christi (ein Buch, das auch heute noch ein Bestseller ist und Thomas von Kempen zugeschrieben wird) über das klösterliche Leben. Maria Anna war zutiefst berührt: Das war es, was sie im innersten Herzen ersehnte. Vater und Stiefmutter waren einverstanden, wünschten aber, dass sie Chorfrau werde. Daher bat sie im Heilig-Grab-Kloster um Aufnahme als Chorschwester, doch dazu reichten ihre schulischen Voraussetzungen nicht. Sie brauchte Latein und eine Ausbildung in Musik. Drei jahrelang opferte sie von Ostern bis Pfingsten die hl. Kommunion zu Ehren des Heiligen Geistes auf, dass er sie führe in ihrer Berufung. Sie klopfte bei verschiedenen Klöstern an, vergeblich.

 

  1. Aufnahme im Heilig-Grab-Kloster in Bamberg

 

Eines Nachts, nachdem sie lange gebetet hatte, erschien ihr der hl. Dominikus und versprach, sie in seinen Orden aufzunehmen. Maria Anna klopfte noch einmal beim Heilig-Grab-Kloster an und erhielt jetzt die Zusage, dass sie als Laienschwester aufgenommen werden könnte, sobald ein Platz frei werde. Fast zwei Jahre musste sie noch warten, bis sie endlich am 27. Mai 1753 im Alter von 22 Jahren als Laienschwester ins Heilig-Grab-Kloster aufgenommen wurde. Sie war überglücklich. Sie erinnert sich:

 

… im Eintreten ins Kloster hatte ich eine solche Freude, dass ich gemeint, ich gehe in den Himmel. Sobald ich in den Chor und in die Kirche bin geführt worden, meinte ich mein Herz zerspringt vor lauter Freuden; und ich konnte mich des Weinens nicht enthalten, als ich vor dem Altar der Muttergottes kniete und mich Gott, der heiligen Muttergottes und dem hl. Dominice geschenkt und aufgeopfert habe. Alles Leiden, alle Widerwärtigkeit, Mühe und Arbeit und was Gott über mich wird schicken, ich alles gern will ausstehen. … (Freib. Mss.6)

 

Sie war realistisch genug, um zu wissen, dass das Klosterleben nicht der Himmel auf Erden ist. Sie erwartete Mühe, Arbeit, Leiden… Doch war Leiden nicht ihr Lebensauftrag?

 

Maria Anna Schonath erhielt den Ordensnamen Maria Columba; die selige Dominikanerin Columba von Rieti (1467-1501) wurde ihre zusätzliche Namenspatronin.

 

Schwester Maria Columba war gesund. Voller Schaffenskraft war sie bereit, die einfachsten Arbeiten für die Gemeinschaft zu verrichten – in der Küche, im Garten, im Stall. Sie wollte dienen. Sie wollte mit und für Jesus Seelen retten. An dem von den Chorfrauen in Latein gebeteten liturgischen Chorgebet nahmen die Laienschwestern normal nicht teil; sie hatten ein einfacheres Gebetsprogramm.

Nach knapp anderthalb Jahren am 24. September 1754 durfte Schwester Maria Columba schon ihre Feierliche Profess ablegen. Sie war jetzt Mitglied des kontemplativen Zweiges des Dominikanerordens in strenger Klausur.

 

  1. Nachfolge im Leiden: Unerklärliche Krankheiten

 

Bis jetzt war sie gesund gewesen, doch nun setzten die unerklärlichen Krankheiten ein, die der hl. Dominikus ihr schon vor ihrem Ordenseintritt angekündigt hatte: hohes Fieber, dass sie meinte, sie liege im Feuer, abwechselnd mit starkem Schüttelfrost; Schwindelanfälle, Blasen und Geschwüre, dass sie nicht mehr in der Küche arbeiten konnte und durfte, dazu eine sehr schmerzhafte, eiternde Wunde in ihrer Seite… Der Arzt war ratlos, konnte nicht helfen. Dabei sah sie blühend gesund aus, was zu Missverständnissen, Unmut und Verdächtigungen bei den Mitschwestern führte. Körperlich und seelisch litt sie sehr. Sie opferte alles Jesus auf für das Heil der Seelen. Fast neun Jahre dauerte dieser Zustand. Dann verschwanden diese Krankheiten plötzlich, um Raum zu machen für eine andere Form des Leidens.

 

Der hl. Dominikus, zu dem Sr. Columba ein kindliches Vertrauen hegte, bereitete sie darauf vor, indem er ihr riet, sich völlig Gott zu überlassen, allezeit im liebevollen Herzen Jesu und in seinen heiligen Wunden zu leben und im „Buch der Liebe“ zu lesen, nämlich den Heiland am Kreuz zu betrachten. In diesem „Buch der Liebe“ habe auch er gelernt und sich allezeit aufgehalten. Und in der Tat, der hl. Dominikus betete und betrachtete viele Stunden vor dem Bild des Gekreuzigten.

 

III. Berufung zur Gleichförmigkeit mit Christus

 

  1. Verwundet mit Liebe und Schmerzen

 

Christus beruft Sr. Columba zur Gleichförmigkeit mit ihm. Die mystischen Begegnungen mit ihm werden fortwährend intensiver. Immer wieder schaut sie ihn als Schmerzensmann und leidet mit ihm. Einmal sieht sie ihn am Kreuz stehen. Er hält zwei Herzen in der Hand, das seine ist umgeben von Glanz und feurigen Strahlen. Er sagt: „Mein Herz ist verwundet mit Liebe und Schmerzen. Willst du mir gleichförmig werden, so musst du auch diesem gleichförmig werden.“ Er nimmt dann das Herz Columbas und berührt es mit einem Strahl aus seinem Herzen und steckt es zurück in ihre Seite. Da ist ihr, als sei ihr Herz und ganzer Leib in lauter Flammen.

 

Eine Woche bevor sie die Wundmale empfängt, leidet sie große Schmerzen an der Seite und am Kopf. Bei der hl. Messe unter der Erhebung des Kelches schaut sie wieder den Heiland am Kreuz. Er spricht zu ihr: „Sei getrost in deinen Schmerzen! Wenn du mir folgst in Leiden, wirst du mir auch folgen in den Freuden.“ Sie sieht ihn wie von Feuer entzündet, das aus seinem Angesicht und Herzen herausschlägt, und er sagt ihr die Worte: „Vivo iam non ego, vivit vero in me Christus“: ‚Ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir‘ (Gal 2,20). Jetzt soll Christus ihr Leben ganz durchwirken und gestalten.

 

  1. Begnadet mit den Wundmalen Christi und der mystischen Vermählung

 

Mehr und mehr wird Schwester Maria Columba in das Leiden des Erlösers hineingezogen; sie durchlebt und durchleidet verschiedene Phasen der Passion, bis sie am 9. Dezember 1763, zwei Tage vor ihrem 33. Geburtstag, mit den Wundmalen Jesu an Händen, Füßen und Seite begnadet wird. Von nun an durchleidet sie immer wieder die Passion des Heilands mit unaussprechlichen Schmerzen.

 

Doch sie darf auch den Trost innigster Vereinigung mit Jesus in tiefer Freude verkosten. So erlebt sie zwei Tage nach Empfang der Wundmale, an ihrem 33. Geburtstag, dem 11. Dezember 1763, ihre mystische Vermählung mit Jesus.

Ob Leid oder Freude, in allem schenkt sie sich dem Herrn und opfert sie sich für das Heil der Menschen.

 

  1. Gleichförmig im inneren und äußeren Leiden

 

In der Teilhabe an den Schmerzen der Passion setzt sich Columbas Leben fort. Zu diesen Schmerzen gehören die inneren und äußeren Leiden. Jesus spornt sie an:

 

Folge mir nach! … Du musst mir noch in vielem nachfolgen, wenn du mir gleichförmig werden willst. Tröste dich mit mir, was dir noch immer begegnen wird. Ich bin verachtet, verspottet, von der ganzen Welt für einen Narren gehalten und ausgerufen, von einem Richter zum andern geführt worden und zwar dieses dir und dem ganzen Menschengeschlecht zuliebe. Sollst du nicht auch mir zuliebe diese Schmerzen und Widerwärtigkeiten, die ich noch werde zulassen, gerne ausstehen?

(WM I/17: 7.2.1764 ?)

 

  1. Vereint im Sühneleiden mit Christus

 

Ihr Leiden war Liebesleiden, Sühneleiden. Durch die Aufopferung aller Beschwerden, Krankheiten, Schmerzen und Leiden suchte Sr. Columba die Beleidigungen Gottes zu sühnen oder zu verhindern. Ihre sühnende Liebe umfasste alle Menschen, schloss niemanden aus, doch ganz besonders rang sie um die Bekehrung der Sünder. Sie begleitete die Sterbenden mit ihrem Gebet und bot sich an, deren Leiden am eigenen Leib und in ihrer Seele mitzutragen, indem sie mit ihnen und für sie litt. Auch war sie offensichtlich besonders berufen, an der Befreiung der Armen Seelen aus dem Fegefeuer mitzuwirken. Von Jugend an hatte sie es sich zur Gewohnheit gemacht, allabendlich fünf Vater unser und Gegrüßet seist du, Maria für die Sterbenden der nächsten 24 Stunden und für die Armen Seelen zu beten und sie ins heiligste Herz Jesu und in die fünf Wunden des Heilands zu empfehlen. Die Armen Seelen machten sich des Öfteren bei ihr bemerkbar und baten um ihr Gebet und ihre sühnende Buße.

 

  1. Gleichförmig im geistlichen Leiden

 

Wie sollten ihre Mitschwestern diese Zustände, die unerklärlichen Krankheiten, das Durchleiden der Passion, das Seufzen der Armen Seelen, dazu die offensichtlichen Nachstellungen des Teufels verstehen? War es Gottes Wirken? Oder kam es vom Bösen? War es echt oder Betrug? Es wurde manches gedacht und gesprochen, Gutes und nicht so Gutes.

 

So kamen zu den unsagbaren körperlichen Schmerzen ihrer vielen Krankheiten – in späteren Jahren litt sie grauenhaft an einem sehr peinvollem Steinleiden – sowie den Schmerzen der Passion die seelischen Schmerzen des Spottes, der Missgunst, der Verlassenheit, des Nichtverstanden-Seins – auch vonseiten der Kirche.

Der aufgeklärte Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim traute es Gott zwar zu, dass er solche Dinge – wie z.B. die Stigmatisation – an einem Menschen wirken könne, aber er glaubte eher dem ebenfalls aufgeklärten Abt Oswald von Oberzell, welcher nach Prüfung der Schwester Columba deren Befindlichkeiten als einen fraulichen Krankheitszustand beurteilte.

 

Daraufhin sollte der Schwester Columba  keine Ausnahme gestattet werden, sie sollte vielmehr den letzten Platz in der Schwesterngemeinschaft einnehmen. Ihr wurde befohlen, alle mystischen Erfahrungen aufzuschreiben, auch jene, die sie schon vor ihrem Klostereintritt gehabt hatte, und ihre Aufzeichnungen dem Beichtvater zu übergeben. Dieser musste Berichte an den Fürstbischof schicken. So entstanden die Autographen, die ihre Mitschwestern aufbewahrten, auch nach Auflösung des Klosters, bis die letzte Nonne, Katharina Traut, am 13. Januar 1846 starb. In ihrem Nachlass fand Pfarrer Schweizer von St. Gangolf einen Großteil der Dokumente, die jetzt so wichtig sind für das Seligsprechungsverfahren.

 

Weiter verlangte der Fürstbischof von den Nonnen, nicht über diese Dinge zu sprechen, weder im Kloster noch draußen. 1772 verbot er der Schwester Columba zusätzlich jeglichen Besuch am Redefenster. Als ihre Verwandten beim Bischof Beschwerde einreichen wollten, schrieb sie ihnen einen Brief mit der Bitte, es nicht zu tun; sie sollten lieber auf ein Wiedersehen in der Ewigkeit warten, um sich dann durch diesen Verzicht umso mehr freuen zu können.

 

Columba litt und duldete mit heroischer Liebe. Besonders schmerzte es sie auch, dass durch sie Unruhe und Unfrieden unter den Mitschwestern entstand. Der Herr tröstete sie und lud sie ein, ihm nicht nur im leiblichen, sondern auch im geistlichen Leiden gleichförmig zu werden.

 

 

 

  1. Trost im Leiden: Das „Zeichen“ am Kreuz

(Das blutende Gnadenkreuz)

 

Zu ihrem Trost gab der Heiland ihr ein ganz besonderes Zeichen seiner Zuwendung und Nähe. Es war am 21. März 1764, ein Vierteljahr nach ihrer Stigmatisation. Er erschien ihr in erbarmungswürdiger Gestalt und fragte:

 

Was wunderst du dich, dass ich dieses habe ausgestanden von den Menschen, meinen eigenen Geschöpfen? … Was hat mich bewogen, da ich dieses nicht hätte vonnöten gehabt? Nichts als die Liebe zu dem Heil ihrer Seelen. Willst du mit mir gehen, so wirst auch du nichts anderes finden in diesem Leben als Leiden und Verfolgung (WM: 21.3.1764).

 

Sr. Columba beteuerte, sie habe nie menschlichen Trost gesucht, sondern stets Trost gefunden in seinen heiligen Wunden. Darauf nahm Jesus dieses alte Kreuz, das in der Krankenstube stand, und sagte:

 

Dies soll dein Trost sein. Dieses will ich dir mit einem Zeichen hinterlassen. Daran sollst du denken, wenn … du von allem Trost wirst verlassen sein, sowohl innerlich als äußerlich, sowohl im Geistigen als im Leiblichen … (dann)  wende deine Augen auf dieses Zeichen, das ich dir an meinem Bildnis überlasse. Dieses wird dir und anderen, für die du betest, einen großen Trost bringen in dieser Zeit und vielmehr nach deinem Tod (WM: 21.3.1764).

 

Dieses Kreuz, das ehemals in der Krankenstube oberhalb des Ofens stand und wenig Beachtung fand, wurde für Sr. Columba eine wahre Trostquelle. Nach der Ekstase bat sie, man möge das Kreuz herunterholen. Es blutete. Von da an blutete es des Öfteren, ihr zur Stärkung und zum Trost, besonders wenn sie viel Unverständnis und Verlassenheit zu ertragen hatte. Am 27. Juli gleichen Jahres wies Jesus noch einmal auf dieses Kreuz hin und sagte:

 

Dies soll … dein Trost sein. Darin werde ich dir nichts versagen, was zu meiner Ehre und Glorie ist

und zum Heil und Nutzen der Menschen (WM: 27.7.1764).

 

Christus erklärt ihr wiederholt, dass das Kreuz der beste Weg der Liebe und somit der beste Weg zur Seligkeit ist. Und er ermutigte sie:

 

Nimm dich an, soviel du kannst, für das Heil der Seelen zu tun und zu beten! Keinen größeren Dienst kannst du mir erweisen, als dass du mit mir leidest und für das Heil der Seelen das Leiden aufopferst“ (23.3.1764).

 

 

 

  1. Mystisches Leiden und mystische Freude

 

Die mystischen Erfahrungen sowohl des Leidens als auch der Freuden mehrten sich bei Sr. Columba. Sie bezeugte, dass das Leiden im Geiste wie auch die übernatürliche Freude unaussprechlich seien. Sie schreibt:

 

Kein natürlicher Verstand kann begreifen, was das sei,

im Geiste zu leiden (WM: 19.4.1764).

Und:

Kein menschlicher Verstand kann begreifen und erfassen,

wie das ist, wenn die Seele sich mit Gott vereinigt

und Gott um Gottes willen liebt,

der Geist aber mit ihm eins

und in der Liebe in ihm zur Ruhe gekommen ist

(WM: 27.7.1764).

 

Im letzteren beschreibt sie die höchste Stufe der mystischen Vereinigung mit Gott.

 

 

 

  1. Schwester Maria Columba,

eine kontemplative Dominikanerin

 

Ich möchte noch einen Aspekt ihrer Spiritualität beleuchten: Schwester Maria Columba Schonath war Dominikanerin, und sie war es durch und durch.

 

  1. Maria Columba, ein Kind des hl. Dominikus

 

  1. „Mein heiliger Vater“

 

Maria Columba ist ein Kind des hl. Dominikus. Der heilige Dominikus war gleichsam ihr Seelenführer. Sie nannte ihn liebevoll: „mein heiliger Vater“. Und in diesem Ausdruck spürt man ein tief kindliches Vertrauen und eine große Ehrfurcht. Der hl. Dominikus war ihr Vorbild, aber ebenfalls ihr Begleiter, Ratgeber und Führer, der sie ermutigte, mahnte und auf den nächsten Schritt vorbereitete.

 

  1. Liebe zur Stille und Einsamkeit und zum Gebet

 

Maria Columbas Spiritualität gleicht der des hl. Dominikus. Beide  liebten die Stille und Einsamkeit. Dominikus schickte seine Brüder, wenn er als Wanderprediger unterwegs war, voraus, damit er für sich betrachten und beten konnte. Er trug das Evangelium nach Matthäus und die Paulus-Briefe ständig mit sich und kannte sie fast auswendig. Maria Columba lud bei der Feldarbeit die Helfer ein, eine Pause zu machen, um sich ein wenig auszuruhen. Sie selber suchte sich dann einen stillen Winkel, wo sie beten und über Gott nachsinnen konnte.

 

  1. Glühende Liebe zum göttlichen Erlöser und zum eucharistischen Heiland

 

Beide, Dominikus und Maria Columba,  hatten eine glühende Liebe zu Christus als den Erlöser der Menschen und zum eucharistischen Heiland.

 

Dominikus verbrachte viele Stunden, ja Nächte im Gebet vor dem Tabernakel und zu Füßen des Kreuzes. Das Kreuz war für ihn, wie wir schon gehört haben, das „Buch der Liebe“. In der Betrachtung des gekreuzigten Heilands – diesem „Buch der Liebe“ – lernte und erkannte er die unermessliche Liebe des göttlichen Erlösers. Das mitfühlende Herz des hl. Dominikus ward förmlich von Mitleid zerrissen, Mitleid – „compassio“ –  zeichnete ihn aus, Mitleid mit dem leidenden Jesus, dessen Liebe abgelehnt wurde von so vielen, für die er starb, aber auch Mitleid mit den Sündern, die wissentlich oder unwissentlich das Geschenk der Erlösung ablehnten. „Herr, was wird aus den Sündern?“ hörte man ihn laut beten. Maria Columba hatte ebenfalls Gott als brennende Liebe erfahren, und ihre Gottes- und Nächstenliebe entbrannte zu einer Liebesflamme, die die ganze Welt umfasste.

 

  1. Weltumfassender Seeleneifer

 

Der hl. Dominikus hatte seinen Orden gegründet für die Predigt und das Heil der Seelen mit einer ganz neuen Form der Evangelisierung. Ja, er gründete eine ganz neue Form des Ordenslebens. Während die älteren Orden die Stabilitas praktizierten und hochschätzten, erwartete Dominikus von seinen Brüdern die Bereitschaft, in alle Welt ausgesandt zu werden, wo immer das Evangelium verkündet werden musste. Anstelle der Handarbeit setzte er das Studium, besonders der Hl. Schrift, ein Studium, das nicht nur Kopfwissen vermitteln sollte, sondern den ganzen Menschen mit Liebe zum WORT Gottes, zum lebendigen  Christus, erfüllen sollte. Seine Brüder sollten vor Liebe brennen, um andere mit dieser Liebe zu entzünden.

Dominikus ruhte nicht, bis er vom Papst den Auftrag zur universalen Glaubensverkündigung erhielt.

 

  1. Weltweite Sendung der Nonnen

 

Stellvertretendes Gebet vor allen Tabernakeln der Welt

 

Columbas weltweite Sendung kommt in einer 15-stundenlangen  mystischen Erfahrung zum Ausdruck. Der Herr hatte ihr erklärt, dass der „Tabernakel der Himmel auf Erden“ ist, wo er so wirklich gegenwärtig sei wie im Himmel. Er ludt sie ein, ihn nicht nur in der eigenen Kirche, im eigenen Land zu verehren, sondern sie sollte ihn in allen Tabernakeln der Welt anbeten und für alle Einwohner, die dort leben stellvertretend beten. Dann wurde sie von zwei Engeln von Tabernakel zu Tabernakel, von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent geführt. Sie schreibt:

 

Immer wenn die Engel zu einem Tabernakel kamen, standen sie vor ihm auf beiden Seiten still da. Ich aber fiel mitten vor dem Tabernakel nieder, betete Jesus an und bat ihn um Verzeihung für alle Schmach und alles Unrecht, die ihm von den Menschen zugefügt wurden … Danach opferte ich ihm die Herzen aller auf, die in der betreffenden Gegend lebten … wünschte mir, mitwirken zu können, dass sie ihm ihre Liebe schenkten. (14.2.1765)

 

Danach dankte sie dem Herrn für alle Gnaden, die er den Einwohnern des Landes geschenkt hatte, flehte stellvertretend um Verzeihung für alles Unrecht und um die Bekehrung der Sünder. Dann bat sie um seinen Segen für alle Bewohner des Landes..

 

  1. Weltweiter missionarischer Seeleneifer

 

Sr. Maria Columba war eine kontemplative dominikanische Nonne. Als solche sollte in Zurückgezogenheit durch Gebet und Buße die „Heilige Predigt“ der Brüder unterstützen. Doch im Innern war sie eine Missionarin mit einem weltweiten Herzen. Ihr missionarischer Seeleneifer kommt in ihren Aufzeichnungen ganz deutlich zum Ausdruck, wenn sie schreibt:

 

Ich fühlte eine so große Begierde in mir, das Heil der Seelen zu fördern und gedachte: ‚Ach, wenn ich könnte, ich wollte gern durch die ganze Welt gehen und rufen und schreien, sie sollen abstehen von ihren Sünden und sollen Gott lieben (2.3.1764).

 

Und weiter:

Ach, könnte ich machen, dass dich, Jesus, die ganze Welt lieben und kennen würde! Oh, ihr Menschen in der Welt, lasst doch nicht nach und liebt die Liebe, die uns so sehr geliebt hat und ohne die wir nichts sind! Lasst uns lieben, lasst uns lieben! (6.8.1765)

 

 

  1. Heiliges Sterben

 

Schwester Maria Columbas Leben strebt der Vollendung entgegen. Nach schwerer Krankheit, am Fest der hl. Kunigunde, dem 3. März 1787 [heute vor 231 Jahren], haucht sie ihr Leben aus und gibt es zurück in Gottes Hand. Kurz zuvor um Mitternacht kann  sie den eucharistischen Heiland, den sie ja zeitlebens so innig geliebt und verehrt hat, noch einmal empfangen. Der Priester betet, ihrem Wunsch entsprechend, die Fünf-Wunden-Andacht, während ihre Wunden der Reihe nach aufbrechen und heftig bluten. So geht sie ein in die ewige Vereinigung mit ihrem göttlichen Seelenbräutigam Jesus.

 

 

  1. Ihr Grab

 

Nach vier Tagen wurde ihr Leib in der Seitenkapelle der Klosterkirche Heilig-Grab in einem gemauerten Grab in aller Stille unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt. Später, als infolge der Säkularisation die Kirche vom Militär als Pferdestall genutzt wurde, baten die Angehörigen (1858) darum, ihre heiligmäßige Verwandte in ihr Familiengrab auf dem allgemeinen Friedhof übertragen zu dürfen, wo sie bis zur Rücküberführung in ihr ursprüngliches Grab in der Heilig-Grab-Kirche ruhte.

 

Am 19. April 1926 kehrte sie zurück in ihre geliebte Kirche, diesem „Gnadenort“ – wie sie ihn nennt. In ihrem sog. „Geistlichen Testament“  schreibt sie, dass sie auch nach ihrem Tod mit den Engeln und Heiligen, die sich dort einfinden, „ihren großen Gott alle Augenblicke allda loben, ihm danken und ihn anbeten. (Vgl. Geistliches Testament).

 

[19. April 1926: Prozession mit drei Chaisen: die erste Chaise mit dem Sarg, gezogen von weißen Pferden, mit Weihbischof Dr. Adam Senger und Geistl. Rat Pfarrer Heinrich Bosch von St. Gangolf. Weitere Begleitpersonen: Der Vorstand des Columba-Schonath-Bundes: Staatsanwalt Philipp Dros, 1. Vorsitzender; Hochschulprofessor Dr. Ludwig Fischer, 2. Vorsitzender; Lehrer Dr. Hans Heim, Schriftführer, dazu die kath. Kirchenverwaltung St. Gangolf u. a. ]

 

  1. Verehrung und Seligsprechungsverfahren

 

Schon zu ihren Lebzeiten verbreitete sich der Ruf ihrer Heiligkeit, und es entfaltete sich im Volk eine innige, vertrauensvolle Verehrung der frommen Schwester Maria Columba. Obwohl ihr und der Klostergemeinschaft vonseiten der Kirche strengstes Stillschweigen auferlegt worden war bezüglich der außergewöhnlichen Gnaden, drang der Ruf ihrer Heiligkeit nach draußen, und Menschen in Not vertrauten sich ihrer Fürbitte an. Von wunderbaren Heilungen und Hilfe in vielfältigen Nöten wird berichtet.

 

[z.B. Heilung eines Lungenkranken; Rettung eines Alkoholkranken; Hilfe beim Staatsexamen, bei der schriftlichen Arbeit für einen Meisterabschluss, bei der Führerscheinprüfung, bei der Wohnungssuche, bei Ehe- und Familienproblemen (Vgl. Karlsruher Columba-Gruppe)…]

 

Die Verehrung von Sr. Columba hat nie aufgehört. Seine Exzellenz. Erzbischof Dr. Karl Braun eröffnete am 17. Mai 1999 offiziell das Seligsprechungsverfahren. Heute kommen Anfragen aus aller Welt zu uns ins Kloster mit der Bitte um Information, Bildchen, Reliquien…

 

 

Maria Columbas Botschaft für uns heute

 

Hat Schwester Maria Columba heute noch eine Botschaft für uns? Was würde sie uns sagen? Würde sie auch uns zurufen, dass wir abstehen sollen von unseren Sünden und sollen Gott lieben? Ruft sie auch uns zu:

 

         Oh, ihr Menschen in der Welt,

lasst doch nicht nach und liebt die Liebe,

die uns so sehr geliebt hat

und ohne die wir nichts sind.

Oh Liebe! Lasst uns lieben, lasst uns lieben! (6.8.1765)

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