Aus der Geschichte der Klosterkirche zum Heiligen Grab in Bamberg

Die Wenigsten wissen heute noch, dass die Klosterkirche der Dominikanerinnen in Bamberg als Sühne für einen begangenen Hostienfrevel erbaut wurde. Ein altes „Altarblatt“ wie heute wieder dort in der Klosterkirche zu finden, zeigt die Erhebung der heiligen Hostien und war das ehemalige Altarblatt des Gnadenaltars, zu dem sich von ehedem vielfältige Wallfahrten zur eucharistischen Verehrung, u. a. aus Hallstadt, Memmelsdorf und Güßbach, alljährlich aufgemacht haben.

 

Das altehrwürdige Altarblatt, ein Gemälde in Öl auf Leinen, gerahmt 158 auf 102 cm, stammt aus dem 18. Jahrhundert und zeigt die Gründungslegende des Jungfrauenklosters St. Catherine zu dem Heiligen Grab – wo der Herr ruhte wie in seinem heiligen Grabe.

 

Der fahrende Schüler Simon hatte aus der Pfarrkirche St. Martin im Jahre 1314 ein Ziborium geraubt. Die Hostien, die noch darin verwahrt waren, schüttete er auf ein Kornfeld am Ortsrand der Stadt Bamberg. Dort erblickten über derselbigen Stelle Mägde von St. Gangolf ein „schönes Kindlein“. Herbeigeeilt fanden sie den verunehrten Leib Christi. Die Hostien konnten zunächst nicht erhoben werden. Bischof Wulfing von Stubenberg, ein Dominikaner, kam barfuss in einer Prozession und vollzog unter großer Anteilnahme von Klerus und Volk die Elevation. Das ehemalige Gnadenbild zeigt den Moment der Erhebung der heiligen Hostien durch den Bischof, kniend und umgeben von einer großen Volksmenge, daorten das Christuskind – erschienen als Symbol der heiligen Eucharistie – über dem Ort des begangenen Hostienfrevels. Lange Zeit konnte man durch eine vergitterte Aussparung hindurch in dem dort erbauten Kirchlein den Erdboden sehen, auf dem die Hostien gelegen und das Christuskind erschienen ist.

Somit ist Heilig Grab eine weihnachtliche Kirche, vergleichbar der Erscheinungskirche Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein, wo 1445-46 dem Schäfer Hermann Leicht das „Christuskind“ erst allein, dann im  „Kinderkranz der 14 Nothelfer“ erschienen ist. Dort ist bis zum heutigen Tage das Erdreich am Erscheinungsort ausgespart und dem Beter durch eine Vergitterung hindurch zugänglich.

 

Im Jahre 1903 wurde während der Säkularisation das Kloster aufgelöst und die Einrichtung der Kirche an eine Landgemeinde nach Strullendorf für die zu sanierende Pfarrkirche weit unter Schätzwert verkauft. Im Jahre 1978 fand man das Altarblatt dort in einer Scheune wieder, worauf es als Leihgabe in das Diözesemuseum von Bamberg gebracht wurde. Nach seiner Restaurierung im Jahre 1979 wurde das Bild, wohl auf Vorantreiben durch Martin Wiesend, Weihbischof von Bamberg, in die Klosterkirche zum Heiligen Grab zurück gegeben.

 

Der Hostienfrevel vom 6. Juli 1314 und die Erscheinung des „schönen Kindleins“ wie von den Mägden gesehen, zusammen mit der Erhebung der Hostien durch Bischof Wulfing von Stubenberg am 8. Juli 1314, führte noch in dem selben Jahr zu dem Bau einer kleinen Sühnekapelle zur Corpus Christi Verehrung, gestiftet von dem Bamberger Bürger Tausendschön.

 

Zu der tatsächlichen Gründung des Heilig Grab Klosters kam es nur wenige Jahre später, als Franz Münzmeister verschiedenliche Güter vom Chorherrenstift St. Gangolf ankaufte zu dem Zwecke der Errichtung einer Klosteranlage an eben der selbigen Kapelle. Die Stiftung ist verbrieft auf den 12. Februar 1352 unter Bischof Lupold III. von Bebenburg und gehörte pfarrlich zu Alt-St.-Martin.

Am 1. Mai 1356 kamen sechs Dominikanerinnen aus Frauenaurch bei Erlangen nach Bamberg. Die erste Priorin war Kunigunde Stadler. Bald danach traten zwölf Novizinnen, darunter auch die Tochter des Stifters, Margareta Münzmeister, in das neue Kloster ein.  Die Schwestern lebten von Anfang an nach der Augustinusregel und auf die Klöster von Prouilhe bei Toulouse und San Sisto in Rom zurück gehende Schwesternkonstitutionen aus dem Jahre 1259 in strenger Observanz. An Stelle der Sühnekapelle wurde eine Klosterkirche errichtet, deren Kirchweihe für den Laetare-Sonntag festgelegt wurde, wohl in Anlehnung an den Stationstag der römischen Kirche Stanta Croce in Gerusalemme. Kloster und Kirche standen gemäß dem Stifterwillen unter dem Patrozinium der heiligen Katharina von Alexandrien.

Anfänglich stammten die Schwestern des Jungfrauenklosters St. Caterine zu dem Heiligen Grab vorwiegend aus Bamberger Bürgerfamilien. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts sind auch zu einem gewissen Anteil Töchtern aus fränkischen Adelsfamilien eingetreten. 1525 lebten in dem Kloster 40 Nonnen; 1753 waren es 22 Chorschwestern und 9 Laienschwestern.

 

1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Die Schwestern mussten 1806 das Kloster endgültig verlassen. Die Klosteranlage wurde fortan militärisch genutzt; die Klosterkirche wurde Pferdestall.

 

Erst nach 120 Jahren kam es zu einer Neugründung, indem am 3. September 1926 acht Dominikanerinnen aus St. Ursula in Augsburg nach Bamberg kamen. Die Nonnen lebten und leben bis heute im II. Orden des heiligen Dominikus. Zu verdanken ist die Neugründung insbesondere dem Maria Columba Schonath Bund, sowie Pfarrer Geistlicher Rat Heinrich Bosch von St. Gangolf, zu dessen Pfarrei seit der Neuordnung zu Zeiten der Säkularisation die Klosteranlage gehörte, und Herrn Weihbischof Adam Senger. Entgegen der Bestrebungen der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, die sich anstelle der Klosterkirche ein zweites evangelisches Gotteshaus erhofften, setzte sich schließlich der Wunsch nach Wiederaufleben des Dominikanerinnenklosters und die geplante Rückführung der Gebeine der im Rufe der Heiligkeit 1787 verstorbenen Laienschwester Maria Columba Schonath aus dem Familiengrab der Familie Muß auf dem städtischen Friedhof an ihren ursprünglichen Bestattungsort, der Klosterkirche Heilig Grab, durch. Förderer waren insbesondere Erzbischof Jacobus von Hauck, das Metropolitankapitel und der Dominikanerorden als solcher. Bereits am 23. April 1924 kam es zur Freigabe und dem Rückkauf des Beichtvaterhauses mit Grünanlage, sowie der Kirche durch die Pfarrkirchenstiftung St. Gangolf vom bayerischen Staat, infolge dessen 1925 die Umbau- und Restaurationsmaßnahmen  beginnen konnten.

Mit Eintreffen der Dominikanerinnen aus Augsburg begann am 3. September 1026 erneut das Ordensleben am Heilig Grab. Superiorin der Ordensgemeinschaft war Sr. M. Bonifatia Hittler. Nur wenige Tage nach der Neugründung des Klosters eröffneten die Schwestern am 16. September 1926 eine Handarbeitsschule, die bald besten Ruf weit über Bamberg hinaus erhalten sollte.

 

Am 17. Oktober 1926 erfolgte die feierliche Weihe der renovierten Klosterkirche durch Herrn Erzbischof Jacobus von Hauck.

 

Am 2. Mai 1930 wurde das Bamberger Dominikanerinnenkloster selbständiges Priorat. Die erste Priorin war Sr. Alfonsa Müller, deren leibliche Schwester, Sr. Immaculata Müller, alsbald ebenfalls nach Bamberg kam. Sr. Immaculata Müller war ausgebildete Paramentenstickerin. Sie begründete die bis heute weit bekannte Paramentenwerkstatt des Heilig Grab Klosters, die, wie der erteilte Musikunterricht und die Handarbeitsschule, lange Zeit den Unterhalt der Heilig Grab Schwestern sicherte.

Am 8. Oktober 1930 konnten bereits die ersten fünf Postulantinnen eingekleidet werden, und auch in darauf folgenden Jahren baten eine ganze Reihe junger Frauen um Aufnahme.

1933 belief sich der Personalstand des Konvents auf achtzehn Schwestern, drei Postulantinnen und drei Kandidatinnen.

1932/33 entstand nach den Plänen des Münchner Architekten Fritz Fuchsberger der Verbindungsbau zwischen Beichtvaterhaus und Klosterkirche, ein Backsteingebäude mit der heute noch bestehenden Klosterpforte.

 

1940 musste die Handarbeitsschule auf staatliche Anordnung hin geschlossen werden. Dem Kloster wurde seitens der Nationalsozialisten jegliche Lehrtätigkeit verboten. Einige der Nonnen mussten während des II. Weltkriegs Lazarettdienst in der Stadt Bamberg leisten.

Nach Kriegsende nahmen die Schwestern zu ihrem Lebensunterhalt die alte Tradition der Herstellung sakraler Textilien wieder auf.

 

Während des Krieges hatte das Kloster erhebliche Bombenschäden erfahren. 1957 erfolgte ein Neubau.

2003 wurde das Beichtvaterhaus und das Verbindungsgebäude mit Nähsaal und Paramentenstickerei  unter Aufsicht des Architekten Karl-Heinz Rottmann umfassend restauriert.

 

Vor zehn Jahren entschloss sich die Schwesterngemeinschaft ob der vielen notwendig gewordenen und wiederholt stattgefundenen Reparaturen am Haus zu einem bedarfsorientierten Neubau eines kleineren Klostergebäudes für 10 Schwestern im Garten der Klosteranlage mit ebenerdiger Krankenstation für die älteren und pflegebedürftigen Mitschwestern. Die bauliche Maßnahme begann 2010 und führte bei den Grabungen zu allerhand historischen Funden.

An St. Dominikus, dem 8. August 2012, konnte mit einem „Tag der offenen Tür“ das neue Kloster durch Herrn Domkapitular Dr. Hubert Schiepek und P. Provinzial Christoph Holzer schließlich eingeweiht werden.

Die zur Ehre Gottes zwischen Klostergebäude und Kirche errichtete Kapelle wurde 2015 fertig gestellt. Die Weihe erfolgte am 15. August 2015 durch Herrn Erzbischof Dr. Ludwig Schick und P. Provinzial Thomas Brogl.

 

2018 leben in dem Heilig Grab Kloster noch fünf kontemplative Dominikanerinnen:

 

Sr. Maria Magdalena Pfister,              Priorin

Sr. Maria Gratia Choi,                        Subpriorin

Sr. Maria Berthilla Heil,                     Ordensassistentin für die Dominikanische

Laiengemeinschaft vom Heiligen Grab in Bamberg

Sr. M. Rosaria Stark

Sr. M. Consolata Ullrich

 

Zur Ehre Gottes und für das Heil der Menschen sind sie da vor Gott.

In Klausur und Stillschweigen sühnen sie noch heute.

Unzählige Bitten um Fürbitte erreichen sie täglich.

Stellvertretend für die vielen Menschen bringen sie Anbetung, Dank und Lobpreis vor Gott.

Sie beten in den Nöten dieser Zeit.

Sie beten und bitten Gott für die ganze Erzdiözese und verkünden mit ihrem Leben Christus in Wort und Beispiel als eine lebendige Predigt.

 

Noch heute.

 

Roland Thomas Gold; Kunigunde Maria Rosaria Schellhorn

Quelle: Bamberg wird bayrisch; Renate Baumgärtel-Hirschmann 2003

                                                   Weitere Quellen: Handschriftliche Chronik aus dem Heilig Grab Kloster

                                                   Franz Machilek; Das Dominikanerinnenkloster zum Heiligen Grab in Bamberg

 

 

Der Stern von Bethlehem kennzeichnet seit Jahrhunderten in der Geburtsgrotte die Stelle, da Jesus Christus in dieser Welt erschienen ist, geboren aus der Jungfrau Maria, die Stelle, an der Gott zur Welt gekommen ist, an der sich Himmel und Erde berührt haben – auch heute noch.

 

Der Stern von Bethlehem kennzeichnet auch im Gnadenaltar von Vierzehnheiligen die Stelle, da das Christuskind erschienen ist. Inmitten des Sterns ist das Erdreich zu sehen –  ausgespart wie ehedem auch in der Klosterkirche zum Heiligen Grab von Bamberg.

 

Das Wunder der Menschwerdung ereignet sich immer neu, wo Menschen durch Wort und Beispiel Licht und Wärme in das Dunkel der Welt tragen.

 

 

Die wahren Gestirne des Menschen

sind die Menschen, die ihm einen neuen Weg

seines Herzens und seiner Berufung zeigen.

Christus ist der Stern, der uns aufgegangen ist

und der uns im Glauben selbst das Licht anzündet,

das dann auch Menschen zu Sternen macht,

die den Weg zu ihm weisen

 

 Benedikt XVI.

 

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