Die Verehrung der Heiligen Fünf Wunden

Predigt beim Studientag zu Columba Schonath am 3. März 2018 in Hl. Grab

Dr. Norbert Jung

Perikopen:

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Wir haben uns heute intensiv mit dem Leben und dem Glauben von Columba Schonath befasst, die heute vor genau 231 Jahren gestorben ist. Wie gehört war ihre Frömmigkeit von der Passion Christi geprägt, näherhin von der Verehrung der Fünf Wunden des Herrn. Da wir uns mitten in der Fastenzeit befinden, die als österliche Bußzeit der Besinnung und der Vorbereitung auf die Passion des Herrn dienen soll, gibt es meiner Meinung nach daher heute nichts besser geeignetes für eine Predigt als die Gewissenserforschung anhand der heiligen fünf Wunden in Form eines Gebets, das sich bereits in dem Andachtsbuch findet, das schon zu Lebzeiten Columbas erschienen ist.

Darin heißt es: „O Allerliebreichister Jesu! Ich grüsse und verehre andächtig die Heilige Wunde deiner rechten Hand, und bitte dich demüthiglich, du wollest mir deine liebreiche Gnad verleyhen, daß ich mich bemühe, allezeit zu thun, was recht ist. In diese deine heilige Wunden befehle ich dir mein Leib und Seel, und all mein Thun und Lassen, alle meine Gutthäter und Bekannte, alle meine Freund und Feinde und alle diejenige, für welche ich schuldig bin zu betten.“

Gott bitten, das rechte zu tun, also um Gottes Hilfe bei anstehenden Entscheidungen zu beten – eine Führungseigenschaft, die zunächst einmal bei der eigenen Lebensführung ansetzt. Es wäre sicher gut, wenn wieder mehr Menschen ihre Entscheidungen im Lichte Gottes bedenken würden. Und natürlich ist es auch nie verkehrt, für andere Menschen zu beten, seien sie Freund oder Feind, näher bekannt oder weiter entfernt.

Weiter heißt es im Text: „O du Allergüthigster Herr Jesu! Ich grüsse und verehre andächtiglich die Heilige Wunden deiner lincken Hand, und bitte dich demüthiglich, du wollest von mir hinweg nehmen alles was mir linck und unrecht ist, und mich bewahren vor allem Übel des Leibes und der Seelen. In diese deine Heiligen Wunden befihle ich dir mein Leib und Seel, all mein Thun und Lassen, wie auch alle Betrübte und Betrangte an Seel und Leib, daß du sie wollest gnädiglich erlösen, und ihnen durch dein bitteres Leyden und Sterben, durch dein rosenfarbenes Blut barmhertziglich zu Hülff kommen.“

Wenn Gott tatsächlich alles, was link ist bei uns und in unserer Gesellschaft, wegnehmen würde, dann hätte er viel zu tun, denn Täuschung, so tun als ob, sich aufplustern und wichtigmachen, dabei aber vom Eigentlichen und Entscheidenden ablenken, das hat in unserer Zeit Konjunktur, nicht nur in den Medien. Beten wir um Ehrlichkeit und Geradlinigkeit gerade in den Medien, und vergessen wir auch die Betrübten und Bedrängten unserer Tage nicht, es gibt sie auch in unserer reichen und satten Gesellschaft.

Der dritte Abschnitt lautet: „O allergeduldigster Herr Jesu! Ich grüße und verehre andächtiglich die Wunden deines rechten Fuß, und bitte dich demüthiglich, du wollest in mir anzünden eine rechte wahre Begierd zu der Tugend und christlichen Vollkommenheit, damit ich mich befleiße, dir allein zu dienen, und deinen göttlichen Willen in allem zu erfüllen. In diese deine heiligen Wunden befehle ich dir mein Leib und Seel, und all mein Thun und Lassen, wie auch alle Geistliche Obrigkeit mit ihren Unterthanen.“

Beim rechten Fuß an das rechte Streben zu denken, darauf muss man erst einmal kommen – aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, umso mehr hat mir dieser Gedanke gefallen: Wenn wir auf dem rechten Weg gehen wollen, dann sollten wir immer wieder auch um die göttliche Führung bitten, denn viele meinen gerade heute, ihren Weg allein gehen zu müssen und keinen Beistand nötig zu haben. Kein Wunder, dass daher nicht wenige in die Irre gehen.

Viertens fährt der Text fort: „O allersanfftmüthigster Herr Jesu! Ich grüße und verehre andächtiglich die heiligen Wunden deines lincken Fuß und bitte dich demüthiglich, du wollest von mir hinwegnehmen alle böse, unnütze, straffliche argwohnische Gedanken und freventliche Urtheil. In diese heiligen Wunden befehle ich dir mein Leib und Seel, all mein Thun und Lassen, wie auch alle weltliche Obrigkeit samt ihren Unterthanen.“

Wieviel schlechte, ja manchmal sogar bösartige Gedanken werden von jedem von uns – fast hätte ich gesagt: gedankenlos – gedacht, wie viele Vorurteile und Lieblosigkeiten bestimmen unser Leben. Der hier vorgestellte Gedanke, all diese kraftraubenden Negativa in die heiligen Wunden Jesu abzulegen verdient es, im wahrste Sinn des Wortes nach-gedacht zu werden.

Der Gebetstext schließt mit den Worten: „O allerbarmhertzigster Herr Jesu, ich grüsse und verehre andächtiglich deine heiligen Wunden deiner Seiten, und bitte dich demüthiglich, du wollest deine göttliche Lieb in meinem Hertzen anzünden damit ich dich allein und über alles liebe, alle unordentliche Lieb aus meinem Hertzen schliesse, und dich allein allzeit darinn wohnen lasse. In diese deine heiligen Wunden befehle ich dir mein Leib und Seel, und all mein Thun und Lassen, wie auch die gantze christliche Kirch samt allen ihren Gliedern. Insonderheit aber befehle ich dir inbrünstiglich die armen betrübten Seelen im Fegfeuer, daß du deine barmhertzige Finger in deine heilige Seiten legen, und sie mit einen Tröpflein von dem herausgeflossenen Wasser und Blut erquicken, und von ihrer Peyn erledigen wollest.“

Nicht ohne Grund schließt diese innere Besinnung mit dem wichtigsten Anliegen der christlichen Religion: Der reinen Gottesliebe, nicht ohne vor „ungeordneten“ Zielvorgaben menschlichen Liebsstrebens zu warnen – eine Mahnung, die in unserer Zeit sicher noch nötiger ist als sie es zu Lebzeiten von Columba schon war. Das abschließende Gebet für die Kirche, und zwar für die ganze Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören, eine Wahrheit, die in unserer Zeit auch immer mehr in Vergessenheit zu geraten droht, stellt unsere heutige Gebetspraxis auf den Prüfstand.

Denken wir über diese wenigen Seiten aus einem alten Gebetbuch, das Columba vermutlich gekannt hat, ruhig noch ein wenig intensiver nach, oder besser gesagt: Beten wir sie nach. Das rechte zu tun, Unrechtes zu meiden, das Richtige anzustreben und nicht bösen Gedanken nachzuhängen, das kann auch für uns Richtschnur in der Fastenzeit sein. Bemühen auch wir uns um die rechte Gottesliebe und beten wir für die Kirche! Amen.

Schreibe einen Kommentar