Dominikanische Geschichte

Anfangszeit des Ordens in Bamberg

1304 wurde der Dominikaner Wulfing von Stubenberg Bischof von Bamberg. Er bat die Dominikanerbrüder, nach Bamberg zu kommen, und erteilte 1310 die Genehmigung, ein Kloster zu bauen.

 

Entstehung des Dominikanerinnenklosters

Nach einer Legende brach ein fahrender Schüler namens Simon in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1314 in die ehemalige St. Martins-Kirche ein und stahl dort ein silbernes Ziborium mit konsekrierten Hostien aus dem Tabernakel. Die Hostien legte er in ein Kornfeld außerhalb der Stadtmauern und floh dann mit dem silbernen Gefäß in Richtung Forchheim.

Die Mägde vom naheliegenden Chorherrenstift St. Gangolf in der Theuerstadt, die am 8. Juli, dem St. Kiliansfest, zur Arbeit aufs Feld gingen, wurden durch die Erscheinung eines schönen Kindes an den Ort des Frevels geführt. Das Kindlein verschwand, nur Bienen summten über den entweihten Hostien. Der Pfarrherr wurde gerufen, doch er konnte die Hostien nicht erheben – so die Legende. Da kam Bischof Wulfing und erhob die Hostien. Unter großer Beteiligung von Klerus und gläubigem Volk trug er sie in einer feierlichen Sühneprozession barfüßig zurück in die Stadt.

Über dem „heiligen Ort“, wo der Leib des Herrn gelegen war „wie in seinem Heiligen Grab“, ließ der Kustos von St. Gangolf mit Hilfe des Bamberger Bürgers Tausendschön und Unterstützung von Bischof Wulfing eine kleine Corpus-Christi-Kapelle erbauen – zu Ehren des sakramentalen Leibes Christi.

Im Jahre 1352, am „Montag vor Valentini“ (12. Februar), unterzeichnete Franz Münzmeister, ein reicher Bamberger Bürger und Heilig-Land-Wallfahrer, die Stiftungsurkunde für ein neues Kloster. An die Stelle der kleinen Corpus-Christi-Kapelle wurde die Klosterkirche gebaut. Am Lætare-Sonntag 1356 (3. April), dem Kirchweihfest der Grabeskirche in Jerusalem, fand die feierliche Konsekration durch Bischof Lupold III. von Bebenburg statt. Nach dem Willen Münzmeisters erhielt die Kirche mit den sich anschließenden Klostergebäuden den Namen St. Catherin zu dem Heiligen Grab, im Laufe der Zeit im Volksmund kurz „Heilig-Grab“ genannt.

Als besonderes Geschenk für seine Kirche stiftete Franz Münzmeister ein Gnadenkreuz der Göttlichen Hilfe (ein Bild des sieghaften Christus am Kreuz mit Königskrone und königlichen Gewändern, eine Nachbildung des Hülfenberger Gnadenkreuzes), das durch Papst Innozenz VI. (1352-1362) mit Ablässen ausgezeichnet war und somit für viele Menschen zu einem Wallfahrtsziel wurde. Auch die umliegenden Ortschaften pilgerten gern dorthin und brachten ihre Nöte und Leiden zum Erlöser.

Mit dem Einzug von sechs Nonnen aus dem damals blühenden Dominikanerinnenkloster in Frauenaurach ins neu erbaute Kloster in Bamberg am 1. Mai 1356 war die Gründung des Klosters zum Heiligen Grab endgültig abgeschlossen.

Schon bald traten zwölf junge Frauen aus Bamberg und Umgebung in das neue Kloster ein, darunter auch die Tochter des Stifters, Margareta Münzmeister. Nach dem Tod von Franz Münzmeister am 13. Dezember 1356 lebte seine Witwe Katharina ebenfalls im Kloster, empfing aber erst auf dem Sterbebett das Ordensgewand.

 

Das Kloster der Brüder von der Entstehung bis zur Aufhebung 1806

Auf der anderen Seite der Stadt wurde am 5. November 1400 die Kirche des neu gebauten Dominikanerklosters durch Weihbischof Johann von Heldritt geweiht. Das Grab des 1416 verstorbenen Weihbischofs befindet sich noch in der Kirche.

Der Kreuzgang des Klosters wurde in der Regierungszeit des Fürstbischofs Georg I. von Schaumberg (1459-1475), dessen Wappen einen der Schlusssteine ziert, gebaut. Hier befinden sich 42 Grabplatten verstorbenen Dominikaner.

Der der Regnitz zugewandte Bau wurde 1730 von Justus Heinrich Dientzenhofer begonnen, der 1732 den Grundstein legen und das Dachgerüst aufsetzen ließ. Seit 1734 war das Gebäude bewohnbar, auch wenn sich die Bauarbeiten noch bis 1743 hinzogen. Die Stuckarbeiten stammen von Franz Jakob Vogel, die Deckengemälde von Johann Jakob Gebhardt.

Nachdem das Kloster 1803 säkularisiert wurde durften die verbleibenden Brüder noch bis 1806 dort wohnen, die Gebäude wurden jedoch bereits von der bayerischen Regierung dem Militär übergeben, das das Kloster in eine Kaserne umgestaltete. 1806 wurde ein Lazarett für französische Truppen eingerichtet.

 

Das Kloster der Brüder nach der Aufhebung

Erst 1912 wurde die Nutzung als Kaserne aufgegeben. Ein Teil des Klosters wurde nach dem Ersten Weltkrieg an den Eigentümer der benachbarten Brauerei Schlenkerla verkauft, der die Dominikanerklause aus dem 14. Jahrhundert restaurierte und in seine Gaststätte einband.

1947 mietete der erzbischöfliche Stuhl von Bamberg die Dominikanerkirche vom bayerischen Staat und ließ sie als Heimstatt für die Bamberger Symphoniker einrichten. Der Kulturraum wurde am 17. Juni 1950 eröffnet. 1972 trat die Stadt Bamberg in den Mietvertrag ein, der Ende 1993 erlosch. Heute nutzt die Universität Bamberg die ehemalige Dominikanerkirche als Aula. Der Kreuzgang beherbergt heute den Biergarten des Schlenkerla.

1976 begannen die Planungen für die Aufnahme staatlicher Behörden in den Konventsgebäuden. Die Umbauten wurden 1979 bis 1982 ausgeführt. 1985 zogen die ersten Ämter ein, während sich die Restaurierung des Bibliothekssaals noch bis 1987 hinzog. Dabei wurden reiche Stuckarbeiten und Deckengemälde freigelegt, unter anderem eine Allegorie der Theologia sacra mit dem heiligen Thomas von Aquin.

 

Das Kloster der Schwestern bis zur Aufhebung 1806

Das Kloster zum Heiligen Grab erlebte Höhen und Tiefen. Besonders schmerzlich waren die leidvollen Erfahrungen und Schäden beim Hussiteneinfall (1430), im Bauernkrieg (1525), im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) und letztlich in der Säkularisation, durch die das Kloster am 24. März 1803 als aufgehoben erklärt wurde. Die tapferen Nonnen blieben, bis sie 1806 ausgewiesen und Kloster und Kirche der bayerischen Militärverwaltung übergeben wurden.

 

Wiederbegründung des Klosters

Nach 120 Jahren konnte das Kloster neu errichtet werden. Am 23. April 1924 wurden die Kirche und das sogenannte Beichtvaterhaus mit einer kleinen Grünfläche vom Bayerischen Staat zurück erworben; im folgenden Jahr begannen die Umbau- und Restaurationsarbeiten.

Am 3. September 1926 fand mit dem Einzug von acht Dominikanerinnen aus dem Kloster St. Ursula in Augsburg die Wiederbegründung des Klosters zum Heiligen Grab in Bamberg statt. Am 17. Oktober 1926 nahm Erzbischof Dr. Jakobus von Hauck die feierliche Einweihung der profanierten Kirche vor.

Da sich die Schwestern für das kontemplative dominikanische Leben entschieden, wurde das Kloster am 2. Mai 1930 ein selbstständiges Priorat; Mutter Maria Alfonsa Müller OP wurde am 13. Juni als erste Priorin eingesetzt. Schon am 8. Oktober 1930 konnten die ersten fünf Postulantinnen eingekleidet werden und ihr Noviziat beginnen.

Zum Lebensunterhalt eröffneten die Schwestern eine Handarbeitsschule und erteilten Musikunterricht. 1940 wurde ihnen durch die Nationalsozialisten jegliche Lehrtätigkeit verboten. Einige Nonnen mussten im Bamberger Lazarett Militärdienst leisten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpften die Schwestern an eine alte Tradition an und begannen, für ihren Lebensunterhalt sakrale Textilien zu erstellen. [Die Paramentenwerkstatt ist bis heute in Betrieb]. Es gibt wohl kaum eine Pfarrei in der Erzdiözese, wo nicht wenigstens ein Gewand, eine Fahne, ein Altartuch oder Sonstiges aus dem Kloster im kirchlichen Einsatz ist.